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Donnerstag, 8. Dezember 2016

In dulci jubilo






„In dulci jubilo“ 
kleine Fußtritte 
in meinem Bauch*




("In dulci jubilo" / small kicks / in my tummy)

Eléonore Nickolay




* (Erstveröffentlichung Haiku-heute Dezember 2015)
(Übersetzung: Silvia Kempen)

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Der Bauch

Der Bauch, der ist der Beutel; drein legt man alles Gut;
Man thut nur ihm zum besten das meiste, das man thut.
 

Mittwoch, 7. Dezember 2016

Wie still





Wie still
weint die Eberesche
im Dezemberregen.




(How quiet / the rowan crying / in December rain.)

Valdis Jansons (Lettland)




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Günter Havlena / pixelio.de



Dienstag, 6. Dezember 2016

Der Nikolaus ist da





Der Nikolaus ist da -
unterm Mantel die Schuhe
der Tante




(Santa Claus is here -  under the coat the shoes / of the aunt)

Angelika Knetsch




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Nikolaus, du guter Mann

Nikolaus, du guter Mann,
hast einen schönen Mantel an.
Die Knöpfe sind so blank geputzt,
dein weißer Bart ist gut gestutzt,
die Stiefel sind so spiegelblank,
die Zipfelmütze fein und lang,
die Augenbrauen sind so dicht,
so lieb und gut ist dein Gesicht.

Du kamst den weiten Weg von fern,
und deine Hände geben gern.
Du weißt, wie alle Kinder sind:
Ich glaub, ich war ein braves Kind.
Sonst wärst du ja nicht hier
und kämest nicht zu mir.
Du musst dich sicher plagen,
den schweren Sack zu tragen.

Drum, lieber Nikolaus,
pack ihn doch einfach aus.

Verfasser unbekannt




Montag, 5. Dezember 2016

Winterreise





Winterreise
wir teilen unser Schweigen
mit dem Wald




(Winter travel / we share our silence / with the forest)

Ilse Jacobson




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Schweigen im Walde

Still! Schweigendes Geheimnis künden
Will weltverloren sich. Kein Laut.
In dämmergrünen Waldesgründen
Auf Rehes Spur
Das Einhorn nur
Groß auf des Mooses Sonnenzittern schaut.
Wenn jetzt ein Zweig zur Erde fiele,
Es wär’ ein Lärm in heiliger Ruh,
Frau Märe schaut dem stummen Spiele
Seltsamer Lichter staunend zu.
Die Flecken an den Stämmen funkeln,
Die Pilze leuchten plötzlich hell,
Auf einmal liegt der Wald im Dunkeln,
Laubgeister wispern leis und flüstern,
Sacht tränkt das Einhorn sich am Quell.

Karl Henckell (1864-1929)
Aus der Sammlung Neun Böcklinbilder




Sonntag, 4. Dezember 2016

Barbarazweige





Barbarazweige. —
Ich blicke durchs Fenster
bis zum Horizont.




 
(Saint Barbara twigs - / I'm looking through the window / to the horizon.)

Horst Ludwig




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Foto: ©  Silke Bahr / pixelio.de




Samstag, 3. Dezember 2016

Glatteiswarnung





Glatteiswarnung
ich laufe
neben der Spur




(black ice warning / I'm walking / next to the trace)

Petra Klingl




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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15. Warnung

Scheint dir der Pfad, auf dem du gehst, so sicher,
Und willst du noch einmal, o Jugendlicher,
Uneingedenk verschuldeter Gefahren,
Die Züge sehn, die dir so tödlich waren?

Darfst du so fest auf deine Seele bauen,
Und wähnst du mit Besonnenheit zu schauen
Der schwarzen Augen, die dir Sterne deuchten,
Bedeutungsvolles, dunkeltiefes Leuchten?

Nein! Laß die Wunde lieber sich vernarben,
Entschließe dich, zu meiden und zu darben,
Und vor dir selbst sogar, o Herz, verhülle
Den ganzen Reichtum deiner Liebesfülle!

August von Platen (1796-1835)
Aus der Sammlung Romanzen und Jugendlieder




Freitag, 2. Dezember 2016

raureifdächer





raureifdächer
fast still
steht der rauch






(rime roofs / nearly still / stands the smoke)

Birgit Schaldach-Helmlechner




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Foto: ©  Andrea Kusajda / pixelio.de